Ein Muster für den Lyoner Jacquardwebstuhl
Februar 2022: Die ersten Überlegungen für ein Muster für den großen Jacquard-Webstuhl gab es natürlich schon beim Erwerb und Aufbau des Webstuhls 2020. Wenn man sich schon die Mühe macht, so einen Webstuhl zu übernehmen, dann sollte dieser auch irgendwas tun. Erste konkrete Ergebnisse dazu gab es Anfang 2022. Die Motivwahl fiel auf das Lorbeerbaum-Motiv, das sich an den Ausßenfassaden des Wiener Secessionsgebäudes befindet. Mit dem Hintergrund dies für eine neue Tischtextil-Serie zu verwenden, lag es nahe, sich nur auf das Blattwerk zu konzenrieren, das einen nahezu quadratischen Block bildet und sich sehr gut für einen einfarbigen Damast eignet.
In einem ersten Arbeitsschritt wurden die Kontouren des Motivs erfasst und auf die Abmessungen gebracht, die das Motiv später im Gewebe haben soll. Die Wahl fiel auf 900 Kettfäden in der Breite und 900 Schussfäden.
Februar 2023: Bis Februar 2023 war dann die technische Zeichnung des Gewebes fertig. Das heißt, neben den Kontouren waren die Bindepunkte des Gewebes eingezeichnet. Dies erfolgte zwar am Bildschirm, aber trotzdem wurden hier alle Punkte von Hand gesetzt, vor allem an den Kontourenrändern. Hier gilt es ein paar Regeln zu beachten, die man mit keiner Copy-and-Paste-Methode ersetzen kann. Einen Eindruck, wie das im Detail aussieht, vermittelt das zweite Bild.
In einem nächsten Arbeitsschritt wurde im Februar 2023 die Patronenzeichnung an das Lochkartenformat angepasst. Die 1320er Lochkarten sind etwas kompliziert. Es gibt auf der Lochkarte 84 Spalten. 72 dieser Spalten haben 16 Löcher, 12 Spalten im Bereich der Transportlöcher haben aber nur 14 Löcher. Zusätzlich gibt es zwei Spalten, in denen gar keine Löcher sind. Diese Unregelmäßigkeiten würden beim Kartenschlagen sehr viel Potenzial für Fehler bieten. Deshalb kam ich auf die Idee, die unvollständigen 14er Spalten zu regelmäßigen 16er Spalten aufzufüllen. Ich habe in der Patronenzeichnung an den entsprechenden Stellen Nicht-Loch-Kästchen eingefügt. Im vierten und fünften Bild sieht man dies an den pinkfarbenen senkrechten Streifen. Gleichzeitig wurd der Musterentwurf um den ungemusterten Rand von 900 auf 1294 Kettfäden erweitert.
In einem nächsten Arbeitsschritt wurde im Februar 2023 die Patronenzeichnung an das Lochkartenformat angepasst. Die 1320er Lochkarten sind etwas kompliziert. Es gibt auf der Lochkarte 84 Spalten. 72 dieser Spalten haben 16 Löcher, 12 Spalten im Bereich der Transportlöcher haben aber nur 14 Löcher. Zusätzlich gibt es zwei Spalten, in denen gar keine Löcher sind. Diese Unregelmäßigkeiten würden beim Kartenschlagen sehr viel Potenzial für Fehler bieten. Deshalb kam ich auf die Idee, die unvollständigen 14er Spalten zu regelmäßigen 16er Spalten aufzufüllen. Ich habe in der Patronenzeichnung an den entsprechenden Stellen Nicht-Loch-Kästchen eingefügt. Im vierten und fünften Bild sieht man dies an den pinkfarbenen senkrechten Streifen. Gleichzeitig wurd der Musterentwurf um den ungemusterten Rand von 900 auf 1294 Kettfäden erweitert.
Februar 2023: Aus den Erfahrungen beim Anfertigen der 200er und 400er Lochkarten war auch irgendwie klar, dass ich einen 1320er Entwurf nicht von einem Ausdruck auf Papier auf die Lochkarten übertragen konnte. Das Patronenpapier wäre entweder sehr groß oder der Ausdruck sehr klein und nicht zu überschauen. Deswegen habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, die Bildzeilen mit 1294 Pixeln irgendwie in 16er Blöcke zu zerschneiden. Dies gelang mir durch den Umweg des Exportierens der Farbcodes jedes Pixels in eine Textdatei. Statt eines weißen Kästchens hatte ich jetzt den Farbcode 255, 255, 255 untereinander. Das ergab eine endlose Zahlenkolonne. Da es in der Patronenzeichnung aber nur zwei Farbwerte gibt, nämlich schwarz und weiß, war ersichtlich, wo ursprünglich ein weißes Kästchen und wo ein schwarzes Kästchen war. Durch Suchen-Ersetzen-Funktionen wurden nun alle 255/255/255-Kombinationen in ein weißes Kästchen-Sonderzeichen und alle 0/0/0-Kombinationen in ein schwarzes Kästchen-Sonderzeichen ersetzt. Dadurch wurde die ursprüngliche Bildinformation aus der Patronenzeichnung wiederhergestellt, nur jetzt als Textsymbol.
Soweit so gut. Nur das Problem, dass ich nur 16 Zeichen auf dem Bildschirm angezeigt haben wollte bestand immer noch. Nun gibt es die Möglichkeit durch die Suchen-Ersetzen-Funktion ein x-beliebiges Zeichen auch in einen Zeilenumbruch umzuwandeln. Um dies zu bewerkstelligen habe ich in der ursprünglichen Patronenzeichnung alle 16 Pixel eine zusätzliche Spalte eingefügt und mit einem Farbwert versehen, der sich deutlich von den beiden anderen unterscheidet. Dies ist im Bild an den dunklen senkrechten Linien zu sehen. In der Textdatei tauchte dies jetzt als 26/26/26-Kombination auf und durch Suchen-Ersetzen wurden alle diese Kombinationen in einen Zeilenumbruch umgewandelt.
Auf dem zweiten Bild sieht man, wie mir dies auf dem Bildschirm angezeigt wird. 16 Symbole, 16 Tasten. Somit war es jetzt viel einfacher, die Informationen aus der Patronenzeichnung auf die Karten zu übertragen. Auf dem zweiten Bild sieht man die erste gestanzte Karte.
Soweit so gut. Nur das Problem, dass ich nur 16 Zeichen auf dem Bildschirm angezeigt haben wollte bestand immer noch. Nun gibt es die Möglichkeit durch die Suchen-Ersetzen-Funktion ein x-beliebiges Zeichen auch in einen Zeilenumbruch umzuwandeln. Um dies zu bewerkstelligen habe ich in der ursprünglichen Patronenzeichnung alle 16 Pixel eine zusätzliche Spalte eingefügt und mit einem Farbwert versehen, der sich deutlich von den beiden anderen unterscheidet. Dies ist im Bild an den dunklen senkrechten Linien zu sehen. In der Textdatei tauchte dies jetzt als 26/26/26-Kombination auf und durch Suchen-Ersetzen wurden alle diese Kombinationen in einen Zeilenumbruch umgewandelt.
Auf dem zweiten Bild sieht man, wie mir dies auf dem Bildschirm angezeigt wird. 16 Symbole, 16 Tasten. Somit war es jetzt viel einfacher, die Informationen aus der Patronenzeichnung auf die Karten zu übertragen. Auf dem zweiten Bild sieht man die erste gestanzte Karte.
August 2023: Die ersten 200 Karten waren im August 2023 fertig. Trotz der Vereinfachung mit dem Ablesen von einem Bildschirm wurden pro Karten zwischen 10 und 15 Minuten benötigt, sodass es nur langsam Fortschritte gab. Bis Ende 2025 wurden die Arbeiten an dem Muster unterbrochen. Im Oktober 2025 waren 290 Karten fertig.
Februar 2026: Von Februar 2023 bis Oktober 2025 waren nur 300 Karten für das Muster Secession fertig. Da jatzt aber auch der Webstuhl endgültig einsatzfähig war, sollte jetzt auch das Muster endlich fertig werden. In konsequenter Arbeit entstanden Anfang 2026 mindestens 10 Lochkarten neben der regulären Arbeit. An den Samstagen mindestens 50, sodass jetzt pro Woche immer mindestens 100 Karten fertig wurden. Ende Januar wares es 700. Und Mitte Februar waren alle 1080 Karten gestanzt. 180 Karten waren zusätzlich zu den 900 für das eigentliche Muster noch für den Zwischenraum nötig. Anschließend wurden die Karten kontrolliert und mit unserer neuen Karten-Nähmaschine zusammen genäht. Die Karten von Hand zu nähen hätte noch einmal ein Jahr benötigt.
Am 21. Februar 2026 kam das Muster dann auf den Webstuhl und nach 4 Jahren wurde es erstmals als Gewebe sichtbar.
Am 21. Februar 2026 kam das Muster dann auf den Webstuhl und nach 4 Jahren wurde es erstmals als Gewebe sichtbar.
